Business English unterrichten: so spezialisierst du dich

Business English als Spezialisierung: Zielgruppen, sinnvolle Qualifikationen, Akquise bei Firmen, Bildungsurlaub als Markt und faire Preisgestaltung.

KarriereVeröffentlicht

Business English zu unterrichten bedeutet, mit Erwachsenen zu arbeiten, die Englisch im Beruf brauchen: Mitarbeitende von Unternehmen, Führungskräfte, Fachleute und Menschen, die sich beruflich neu orientieren. Gegenüber dem allgemeinen Englischkurs sind die Ziele konkreter, etwa eine Verhandlung, eine Präsentation oder ein Projekt mit internationalem Team, und du hast es neben den Lernenden auch mit dem Unternehmen als Auftraggeber zu tun. In Deutschland mit seiner exportorientierten Wirtschaft ist das ein etablierter Markt.

Wer bucht Business English?

Kundschaft Typisches Format Erwartung
Unternehmen über eine Sprachschule Gruppen- oder Einzelunterricht im Büro oder online Verlässlichkeit, Lernstandsberichte, Rücksicht auf Arbeitszeiten
Unternehmen direkt Kurse, Workshops, Teamtrainings klares Angebot, Bedarfsanalyse, Rechnung als Lieferant
Einzelne Berufstätige Einzelcoaching, meist online eigene Arbeitssituationen, schnelle Fortschritte
Teilnehmende im Bildungsurlaub Intensivwoche bei einem Träger kompakter Kurs mit beruflichem Bezug

Viele Lehrkräfte beginnen bei einer Sprachschule mit Firmenkunden und bauen später direkte Kontakte auf.

Auch der Mittelstand ist ein interessanter Markt. Viele kleinere Unternehmen haben keine eigene Weiterbildungsabteilung, aber Mitarbeitende mit internationalen Kunden oder Lieferanten. Hier entscheidet oft die Geschäftsführung selbst, und ein persönlicher Kontakt über ein lokales Unternehmensnetzwerk oder eine Empfehlung zählt mehr als jede Anzeige. Rechne damit, dass solche Firmen flexible Formate wünschen, etwa kurze Termine vor Arbeitsbeginn oder online.

Bildungsurlaub als Nische

In fast allen Bundesländern gibt es einen Anspruch auf Bildungsurlaub oder Bildungszeit, also bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildungen. Sprachkurse mit beruflichem Bezug sind dafür häufig anerkannt. Die Anerkennung läuft über den Kursanbieter und je nach Land über eine Landesbehörde. Für Lehrkräfte heißt das: Wer mit einem anerkannten Träger zusammenarbeitet, erreicht Berufstätige, die sonst keinen Kurs buchen würden. Die Regeln unterscheiden sich je Bundesland; prüf sie, bevor du ein Angebot planst.

Welche Qualifikationen helfen

Eine verbindliche „Business-English-Lizenz“ gibt es nicht. Unternehmen und Schulen achten auf eine Kombination aus:

  • Lehrqualifikation: ein CELTA-Kurs, ein umfangreicher TEFL-Kurs mit Lehrpraxis oder ein Lehramts- bzw. Anglistikstudium.
  • Branchenwissen: Wer aus Maschinenbau, Logistik, IT, Finanzen oder Gesundheitswesen kommt, kennt die Sprache und die Abläufe dort. Das ist ein echtes Verkaufsargument.
  • Prüfungserfahrung: Manche Firmen möchten, dass Mitarbeitende anerkannte Nachweise erwerben, etwa die Business-Prüfungen von Cambridge English oder Linguaskill Business. Das überschneidet sich mit der Spezialisierung Prüfungsvorbereitung.
  • Spezialkurse: Einige Anbieter haben kurze Module zum Unterrichten von Business English. Schau vor der Buchung, wie sie bewertet werden und ob Lehrpraxis dazugehört.

Was den Unterschied macht

Im Business English bist du eher Beraterin oder Berater als Grammatiklehrkraft. Gefragt ist:

  • Bedarfsanalyse: herausfinden, was die Person wirklich auf Englisch tut, mit wem und wo es hakt.
  • Berichte an Auftraggeber: Personalabteilung oder Führungskraft zahlen und wollen kurze, klare Rückmeldungen.
  • Echte Unterlagen: E-Mails, Präsentationen, Dokumente des Unternehmens, vertraulich behandelt.
  • Organisation: Absagen, wechselnde Termine, Fahrten, Rechnungen.

Wie du daraus Unterricht gestaltest, ist eine Methodikfrage; hier bleiben wir bei Beruf und Markt.

So kommst du an Aufträge

  1. Schwerpunkt wählen. „Business English“ ist zu breit. „Englisch für Ingenieurinnen und Ingenieure in internationalen Projekten“ verkauft sich leichter.
  2. Kurze Fallbeispiele schreiben: Ausgangslage, was du gemacht hast, was sich verändert hat, anonymisiert.
  3. Lebenslauf und Profile anpassen. Spezialisierung in die Überschrift, Branchenerfahrung sichtbar machen. Tipps dazu im Lebenslauf für Sprachlehrkräfte.
  4. Sprachschulen mit Firmenkunden ansprechen, die Lehrkräfte für feste Zeiten oder Einsätze vor Ort suchen.
  5. Firmen direkt kontaktieren, meist über Personal- oder Weiterbildungsabteilungen. Ein einseitiges Angebot mit Format, Umfang und Preis wirkt besser als eine lange Broschüre.
  6. Empfehlungen aktiv erfragen. Zufriedene Teilnehmende sind die beste Akquise.

Preise und Verträge

Firmen zahlen oft mehr als Privatkundschaft, erwarten aber auch mehr. Kalkuliere Vorbereitung, Bedarfsanalyse, Berichte, Fahrzeiten und Ausfälle ein. Pakete, etwa zehn Termine plus Einstufung, lassen sich in Unternehmen leichter freigeben als offene Stundenabrechnungen. Wie du rechnest, steht unter Preise festlegen. Konkrete Marktpreise nennen wir bewusst nicht, weil sie je nach Region, Branche und Vertriebsweg zu stark schwanken.

Im direkten Firmengeschäft bist du Lieferantin oder Lieferant: Rechne mit Bestellnummern, Lieferantenformularen, Datenschutzfragen und Zahlungszielen von mehreren Wochen. Regle schriftlich Anzahl und Dauer der Termine, Absageregeln, Umgang mit vertraulichen Unterlagen und Zahlungsbedingungen. Steuerliche Grundlagen findest du im Beitrag zu Steuern als freiberufliche Lehrkraft.

Wohin sich das Feld entwickelt

Unternehmen fragen zunehmend, was eine Lehrkraft zusätzlich zu den Sprachwerkzeugen leistet, die Mitarbeitende ohnehin nutzen. Wer sich als Coach für anspruchsvolle Kommunikation positioniert, steht besser da als jemand, der vor allem Vokabeln liefert. Mehr dazu unter Wie KI den Beruf Sprachlehrkraft verändert.

Häufige Fragen

Kann ich Business English unterrichten, wenn Englisch nicht meine Muttersprache ist?

Ja. Viele Unternehmen in Deutschland schätzen Lehrkräfte, die die Situation ihrer Mitarbeitenden aus eigener Erfahrung kennen, etwa typische Fehler deutschsprachiger Lernender oder Unterschiede in der Geschäftskommunikation. Wichtig sind ein sehr gutes, nachweisbares Englischniveau und eine Lehrqualifikation.

Brauche ich Berufserfahrung in der Wirtschaft?

Sie ist ein großer Vorteil, aber keine Voraussetzung. Wer aus einer Branche kommt, kennt Abläufe und Sprache dort und kann das gezielt verkaufen. Ohne Branchenhintergrund startest du am besten mit übergreifenden Themen wie E-Mails, Meetings und Präsentationen.

Was ist Bildungsurlaub und warum ist er für Business-English-Lehrkräfte interessant?

In den meisten Bundesländern haben Beschäftigte Anspruch auf bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildungen. Sprachkurse mit beruflichem Bezug gehören häufig dazu. Die Anerkennung beantragt in der Regel der Kursanbieter, deshalb arbeiten viele Lehrkräfte hier mit Sprachschulen oder Bildungsträgern zusammen.

Verdient man mit Business English mehr?

Oft zahlen Firmen und Berufstätige mehr als Privatkundschaft für allgemeinen Unterricht, garantiert ist das aber nicht. Die Spanne hängt von Region, Branche und davon ab, ob du über eine Schule oder direkt arbeitest. Mehr Vor- und Nachbereitung, Fahrten und Berichte gehören in den Preis.

Mehr aus Karriere